Was Macht mit Menschen macht

Macht! Ein Imperativ, den die Junge Theaterakademie Offenburg mehrfach wörtlich genommen hat. Unterschiedliche Herangehensweisen an das große Thema wurden in der Reithalle präsentiert

Badische Zeitung, 14.07.2025, Juliana Eiland-Jung

Generationen- und länderübergreifend haben sich verschiedene Gruppen mit der Macht befasst. Es geht um Machtmissbrauch und Mobbing, um Manipulation und Meinungsmache, um Mensch und Maschine. Und das mit den unterschiedlichen Mitteln von Theater, Tanz, Film und Musik. Ganz schön viel für eine dann am Ende fast dreistündige Aufführung. Das Publikum – das vor allem aus den Familien der Bühnenakteure bestand – war dennoch rundum begeistert und spendete reichlich Applaus.

Ganz zum Schluss erst wurde das Highlight des Programms präsentiert, die Inszenierung „Wir sind ganz junge Bäumchen“, in der die Deportation der Juden aus Baden, dem Saarland und der Pfalz im Oktober 1940 ins französische Internierungslager Gurs nacherzählt wird. Rund 30 Jugendliche aus Saint-Germain-en Laye-bei Paris, aus Hermeskeil in Rheinland-Pfalz und Lebach im Saarland haben zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Jungen Theaterakademie Offenburg eine intensive Probenwoche verbracht. Das Ergebnis ist ein 45-Minuten langes Stück, das einerseits die einzelnen Schicksale der Deportierten in den Mittelpunkt stellt, andererseits auch den Zusammenhalt innerhalb dieser Schicksalsgemeinschaft thematisiert. Das Ganze verpackt in szenische Choreografien, die auch dank der verwendeten Musik unter die Haut gingen. Neben dem Offenburger Komponisten Leonard Küßner ist hier vor allem der Gurs-Überlebende Alfred Cahn zu nennen, der im Internierungslager das titelgebende Lied komponiert hatte.

Der Klassiker „Wilhelm Tell“ wird ins Alltagsleben der Schüler geholt

Im ersten Teil des Abends hatte die Nachwuchsgruppe der Jungen Theaterakademie anhand von Schillers „Wilhelm Tell“ das Thema Macht aufgegriffen. Auch hier ist die Handschrift der beiden Theatermacher Paul Barone und Patrick Labiche zu spüren. Sie wissen um die Macht der Bilder und holten den Klassiker durch einen Zeitsprung in das Alltagserleben von Schülern. Die zahlreichen Jugendlichen, die bei beiden Stücken auf der Bühne stehen, sind mit großer Ernsthaftigkeit und spürbarer Leidenschaft dabei.

Das kann man auch von den Viertklässlern der Georg-Monsch-Schule sagen, die wohl die entspannteste Premiere erleben durften. Ihr Beitrag war ein Film, in dem die Macht der Superhelden und Bullies auf zauberhafte Weise gebrochen wurde. Die jungen Darsteller saßen derweil im Publikum und durften sich über viele Lacher und Applaus freuen.

Auch die über-80-Jährigen begeistern mir ihrer Interpretation des Themas

Dass die Junge Theaterakademie auch über 80-Jährigen eine Bühne bietet, ist nicht selbstverständlich. Die Volkshochschul-Theatergruppe hatte sich der Macht mit fünf kurzen Szenen angenommen, mal mit, mal ohne Text. Neben Naheliegendem wie dem Versuch, sich gegenseitig durch das Besteigen immer höherer Leitern zu beeindrucken, wurde auch der Alltagstrott thematisiert, der oft so viel Macht über unser Leben ausübt. In der „Ritualmühle“ Gefangene legen Wäsche zusammen, tippen wichtigtuerisch irgendwas in Computer, spreizen sich vor einem Ganzkörperspiegel oder machen gelangweilt ein Bier nach dem anderen auf. Immer mechanischer werden die Bewegungen, immer sinnloser die Wiederholung.

Die Fachklasse Tanz der Kunstschule Offenburg ist mit gerade einmal fünf Personen dabei. „Impact – voll-Macht-los“ hat die Gruppe um Rica Lata Matthes ihren Beitrag genannt. Die Rolle der Mächtigen wechselt immer wieder, der Rest der Truppe wird durch körperliche Präsenz und eindeutige Bewegungen in Schach gehalten. Dynamisch und auch ohne Worte verständlich werden hier Machtverhältnisse dargestellt. Die Quintessenz des Abends: Macht was, singt, tanzt, spielt Theater.

Fotos: Armin Krüger

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