Wie der Filmabend „Vision Demokratie“ im Salmen war

Nur das Popcorn fehlte beim kurzweiligen Filmeabend: Bei „Vision Demokratie“ sollten die Filmbeiträge von Grimmelshausen-Gymnasium und Erich-Kästner-Realschule mit der Knabberei präsentiert werden. Doch vor Vorstellungsbeginn rief die Popcornmaschine die Feuerwehr auf den Plan.

Paul Barone, Leiter der Jungen Theaterakademie, hatte so eine Vorahnung. „Wenn nur technisch alles glatt läuft“, sagte er kurz vor Start des Filmeabends. Während einige Nachzügler im Salmen nach einem Platz spähten, ging ein Alarm los. Gehört das zur Darbietung von „Vision Demokratie“? Leider nein: Die kokelnde Popcornmaschine im Salmen-Foyer rief die Feuerwehr auf den Plan. Kulturchefin Carmen Lötsch musste die Zuschauer bitten, den Saal des Salmen zu räumen.

Draußen erinnerte sich Grimmels-Lehrer Hansjörg Haaser an eine ähnliche Situation: „Ich hatte mit meiner Theatergruppe eine Nebelmaschine im Einsatz – und der Feuermelder war nicht richtig deaktiviert gewesen.“ Doch die Feuerwehr war rasch vor Ort und konnte das Gebäude wieder freigeben. 
Dann hieß es Film ab: Sechs Beiträge, die im Projekt „Baukasten Demokratie“ der Jungen Theaterakademie entstanden sind, wurden gezeigt. Sie sollen einmal die filmische Jugendbibliothek bereichern, die in der Erinnerungsstätte Salmen eingerichtet wird, sagte Kulturchefin Lötsch.

Schon wieder fremd

Der Grundstock ist gesetzt: Im ersten Beitrag, der gezeigt wurde, spürten die Schüler den Russlanddeutschen nach. Mit rosigen Versprechungen von Zarin Katharina an die Wolga gelockt. Doch Repressalien waren an der Tagesordnung. Anhand der Familiengeschichte einer Grimmelsschülerin wurden Zwangsheirat, Umsiedlung, Tötung und Verschleppung gezeigt – und der Versuch, nach Deutschland zurückzukehren, wo man nach  fast 200 Jahren wieder nicht mehr richtig dazugehörte. Im Film „Der Gengenbacher Höllhof“ ging es darum, wie sehr manche Täter am Gedankengut der Nazizeit festhielten.

Von munterer Leichtigkeit war der Beitrag der Erich-Kästner-Realschule, die der Industrialisierung nachspürte: Die Gruppe bildete eine Maschine, die mal schneller, mal langsamer arbeitet – aber jedes Rädchen ineinander griff. Durch das Filmprojekt habe man gelernt, dass die „Klasse keine Maschine ist und auch keine sein will“, hieß es in der launigen Moderation. 

Nicht minder launig kündigten die Grimmelsschüler ihren Beitrag zur Badischen Revolution an. Sie hatten sich einen Sonnenaufgang als Intro vorgestellt, erklärte der Schüler, „aber dann hieß es, Drehbeginn sei um sechs Uhr und der Lehrer muss aus Freiburg kommen“. Das sorgte für die ersten Lacher. Auch die versprochene Drohne kam nicht zum Einsatz, dafür sorgte aber eine nette Grafik für Heiterkeit im Publikum: Karl Schaible, dem ein Film gewidmet war, wanderte als Kopf über die Landkarte: Flucht nach Straßburg, Rückkehr nach Offenburg, Emigration nach England. Einstieg war die Misshandlung während seiner Haft – und dann wurde erzählt, wie es dazu kam.

Auf Dialekt

Häufig gewählte Kulissen waren das Ortenberger Schloss und das Hotel Sonne, wo im zweiten Revolutionsbeitrag die Revolutionäre tagten – herzerfrischend mit badischem Dialekt. 

Mit viel Liebe zum Detail – auch bei den Kostümen, die Cornelia Barone verantwortete – sind die Filme abgedreht worden. Dass Zaid Ghasib, zuständig für Filmregie, Kamera und Schnitt – noch viel mehr Material im Kasten hatte, als letztendlich gezeigt wurde, blitze bei einer Mini-Panne auf.

Eine Provokation wagte die Monderatorin von „Sexism – NO“, einem französischsprachigen Beitrag. Sie hatte ein kurzes Röckchen an. Geht das? Der Film lieferte Antworten und Zahlen – auch dazu, wie viel Sexismus es noch gibt, auch im Klassenzimmer.

Hintergrund: Das Projekt „Baukasten Demokratie“ der Jungen Theaterakademie wird von der Stadt Offenburg in Kooperation zwischen der VHS Offenburg und Offenburger Schulen angeboten: Jugendliche entwickeln und drehen Kurzfilme zu Fragen der Demokratie in Geschichte und Gegenwart. Ziel ist, dass sich alle Schulen mit einem Filmprojekt daran beteiligen.

Bettina Kühne, Offenburger Tageblatt vom 15.11.2019

Foto: Ulrich Marx

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