Wer ist eigentlich Robin Hood? Ein Abenteurer? Ein Räuber und Wegelagerer? Oder ein edler Rächer der Unterdrückten? Ein Kämpfer für die Gerechtigkeit? Und: Was hat uns seine Geschichte heute noch zu erzählen?
Die Junge Theaterakademie lädt zu einer Entdeckungsreise für die ganze Familie auf den Spuren des legendären Robin Hood und seiner berüchtigten Bande ein. In unserer Theaterproduktion suchen wir nach eigenen, oft überraschenden Antworten auf diese Fragen...
Wir begegnen Robins Gefährten, Lady Marian, Prinz John, dem Sheriff und vielen anderen schillernden Charakteren, alle irgendwo zwischen Gut und Böse unterwegs – und ganz nebenbei wird die Frage verhandelt, wie wir eigentlich in einer gerechten Welt zusammenleben wollen...

Die Szene "Die Gründung von Robin Hoods Bande" wirft Fragen auf, die die Grundlagen unseres Miteinanders betreffen: Was ist gerecht? Mit welchen Mitteln dürfen wir für eine gerechtere Welt kämpfen? Und was hält eine Gemeinschaft zusammen? 

Ein Gemeinschaftsprojekt des Theater am Grimmels, der HLSOG und der Kunstschule Offenburg

Musikkomposition: Jan Esslinger

Infos zu den Mitwirkenden im Programmheft

Weitere Infos zu „Robin Hood“ finden sich auf der Website der Jungen Theaterakademie.

Der Theaterbaukasten

Hier finden sich Erläuterungen, wie die Bausteine des Theaterbaukastens in der Szene zur Anwendung kommen (ohne dass an dieser Stelle näher auf die Entwicklung der Szene eingegangen werden kann):

Muster: Der erste Teil der Szene, in dem Robin ihre Bande gründet, ist eher realistisch angelegt, so dass die Bandenmitglieder/innen sich nicht auf festen Mustern bewegen. Stilisierter ist aber der Auftritt der reichen Damen. Diese bewegen sich auf parallelen Linien quer zur Bühne.

Formation: Die Bande gruppiert sich bei der Gründung locker in einem Halbkreis. Diese Formation wird aber z.B. durch Robins Bruder Aiden wieder aufgebrochen. So wird deutlich, dass in dieser Gemeinschaft jede/r seine/ihre Individualität bewahrt. Die reichen Damen dagegen stehen in einer klaren Reihenformation.

Position: Bei der Gründung der Bande liegt der szenische Schwerpunkt auf der Position 2, die den stärksten Fokus zieht.

Höhe: Die Choreo der Rehe spielt mit den verschiedenen Höhen: Nach einem kurzen Freeze richten sich die halb gebückt schleichenden Rehe zum Lauschen auf, anschließend gehen sie wieder in eine gebückte Haltung. Dieser Ablauf wiederholt sich mehrfach. Schließlich legen sich die Rehe zum Schlafen hin.

Wiederholen: Die Choreo der Rehe setzt sich aus einfachen Gesten zusammen, die sukzessiv wiederholt werden: Schleichen, Freeze, Kopf ins Publikum drehen, Kopf hoch, wieder in die gebückte Haltung, Weiterschleichen, usw.

In der Choreo der Reichen werden ebenfalls ähnliche Gesten und Handlungen wiederholt, allerdings mit stärkerer Variation.

Ausdruck: Robin und ihre Bande spielen mit einem mittleren, realistisch wirkenden Ausdruck, um den Zuschauer/innen zu ermöglichen, sich in ihre Lage einzufühlen; die Reichen spielen dagegen mit einem übertriebenen Ausdruck (Stufe 9-10), was ihrem Spiel etwas Komisches verleiht.

Geste: Die Choreo der Reichen setzt sich aus einfachen Gesten zusammen, die wiederholt, variiert, gesteigert und gemischt werden. 

Außen/Innen: Die Entwicklung der Figur von außen nach innen bietet sich besonders bei Rollen wie den Erzähler/innen (hier haben wir uns an Elementen der Commedia dell'arte orientiert) oder den reichen Damen an. Auf diesem Weg lässt sich leichter ein stilisierter Schauspielstil entwickeln. Bei der Bande ist aber eher der Weg von innen nach außen sinnvoll, um den Schauspieler/innen zu helfen, sich in die Lebensgeschichte der Bandenmitglieder/innen einzufühlen. 

W-Fragen: Die W-Fragen sind hilfreich, um die Situation zu entwickeln, in der sich Robin bei der Gründung der Bande befindet:

Wer bin ich? Ein junges, für vogelfrei erklärtes Mädchen, das seine Eltern durch einen Anschlag des Sheriffs verloren hat.

Wo befinde ich mich? Im Wald, auf der Flucht vor dem Sheriff, heimatlos.

Was mache ich dort? Ich suche einen Weg zu überleben. Kann mir der Bogen helfen, den ich gefunden habe? Und können mir die Menschen, die ich im Wald treffe und die ein ähnliches Schicksal erlitten haben, Unterstützung geben?

Was ist vorher geschehen? Ich habe auf der Jagd ein königliches Reh getötet. Obwohl ich nicht wusste, dass Prinz John dies verboten hat, wurde ich deswegen für vogelfrei erklärt. Der Sheriff ließ unser Haus abbrennen, meine Eltern sind dabei ums Leben gekommen. Ich musste mit meinem Bruder Aiden in den Wald fliehen.

Aktion/Reaktion: Die Gespräche in der Bande gewinnen an Lebendigkeit durch die Reaktion der einzelnen Bandenmitglieder/innen auf die Aussagen und Handlungen der anderen.

Status: Zu Beginn der Szene ist Robin im Tiefstatus. Durch die Gründung der Bande kann sie gemeinsam mit den anderen ihren Status heben. Diesen Hochstatus hält sie in den folgenden Diebstahlaktionen aufrecht. Die reichen Damen dagegen verlieren ihren anfänglichen Hochstatus und geraten in Tiefstatus. Auch innerhalb der Gruppe gibt es Statuskonflikte, z.B. bei der Diskussion, ob Gewalt erlaubt ist.

Publikum: Die Gespräche in der Bande werden mit Vierter Wand gespielt, die stärker stilisierten Diebstahlaktionen dagegen mit Blick ins Publikum.

Wiederholung/ Variation/ Kontrast: Der Überfall auf die reichen Damen wiederholt das Grundmuster des Überfalls auf den Hauptmann und das Biest. Im Kontrast zu diesem ersten Diebstahl wird aber beim zweiten keine Gewalt angewendet - entsprechend der Entwicklung in Robins Bande. 

Leitfrage: Die Leitfrage, die wir uns in unserer Eigenproduktion vorgenommen haben, lautet: Was hält eine Gemeinschaft zusammen? Damit zusammen hängen Fragen wie: Was ist gerecht? Mit welchen Mitteln lässt sich für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen?

Erzählen: Eine Gruppe von fahrenden Schauspieler/innen übernimmt eine erzählerische Funktion und verknüpft die verschiedenen Handlungsstränge miteinander.

Subtext: Der Subtext ist in den Gesprächen zwischen den Mitglieder/innen der Bande von besonderer Bedeutung. Die Kommunikation ist authentisch, aber dennoch sind alle darauf bedacht, nicht zu viel preiszugeben, teils weil ihre Vorgeschichte für sie selbst psychisch belastend ist, teils weil sie Unbekannten nicht zu viel verraten wollen. Dieses Nicht-Ausgesprochene bildet den Subtext, der aber zum Verständnis der Figuren sehr wichtig ist.

Kostüm: Den Figurengruppen sind jeweils bestimmte Farben zugeordnet: die Kostüme der Bande sind in Grün- und Brauntönen gehalten, die Kostüme der Erzähler/innen sind rot, schwarz und weiß, die reichen Damen tragen opulente Kostüme in Rot- oder Grüntönen. Auf diese Weise werden die Gruppen in ihrer inneren Zugehörigkeit sichtbar.

Bühnenbild: Das Bühnenbild besteht aus fünf drehbaren Kästen, die von innen gesteuert werden können. Auf jeder Seite ist ein abstraktes Bildmotiv zu sehen, das verschiedenen Spielorten zugeordnet wird. Die Bandenmitglieder/innen treten aus den Kästen auf und verschwinden wieder in ihnen. So ist das Bühnenbild nicht nur beweglich, es ist auch ins Spiel einbezogen und eröffnet neue schauspielerische Möglichkeiten.

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