Im Nimmerland begegnen uns Piraten, Indianer und die Verlorenen Kinder, eine bunte Welt, die für das Recht der Kinder auf Phantasie, auf das Hier und Jetzt steht, ja auf das Recht, Kind zu sein - auf Rechte also, die in der modernen, entzauberten Leistungsgesellschaft allzu oft gefährdet sind.

Ein Gemeinschaftsprojekt des Theater am Grimmels, der HLSOG und der Musikschule Offenburg

 

Infos zu den Mitwirkenden im Programmheft

Weitere Infos zu „Peter Pan“ finden sich auf der Website der Jungen Theaterakademie.

Der Storytelling-Baukasten

Hier finden sich Erläuterungen, wie die Bausteine des Storytelling-Baukastens in dem Theaterprojekt „Peter Pan“ zur Anwendung kommen (ohne dass an dieser Stelle näher auf die Entwicklung der Szenen eingegangen werden kann):

Storyorlage: Unsere Theaterproduktion geht von James Barries Roman "Peter Pan" aus. In Improvisationen haben wir aber eine Story entwickelt, die sich stellenweise stark von der Vorlage entfernt. So haben wir z.B. die Rahmenhandlung in die Gegenwart verlegt: Die Eltern von Wendy, John und Michael sind typische "Helikoptereltern", die ihren Kindern unter dem Diktat der modernen Leistungsgesellschaft keinen Raum für Spiel und Phantasie lassen wollen.

Biografie: In die Story haben wir biografische Texte eingebaut, in den die Spieler/innen ihren eigenen Ideen zur Kindheit Ausdruck geben: "Kindheit bedeutet für mich ...", "Das Nimmerland bedeutet für mich ...".

Leitfrage: Als Leitfrage haben wir die Frage gewählt, ob die Kindheit durch die ökonomisierte Leistungsgesellschaft, die - gerade auch im schulischen Kontext - auf Wettbewerb, Konkurrenz und Leistungskontrolle ausgerichtet ist, gefährdet ist.

Vision: Mit der Eigenproduktion wollten wir auch eine Vision von Kindheit entwickeln, deren Kern die Freiheit der Phantasie ist, das Erleben im Hier und Jetzt - im Gegensatz zu einer ökonomisierten Funktionalisierung der Gegenwart für die spätere berufliche Zukunft und den gesellschaftlichen Nutzen. Dieses ökonomisierte Verständnis von Kindheit und Bildung ist der "Zyklop", gegen den die Kinder kämpfen. 

Situation: Die Idee für den Besentanz ist aus der Impro "Aktion - Reaktion" heraus entstanden. Der Situations-Impuls lautete: "Was machen die Piraten auf ihrem Schiff?" - die Szene, in der Peter sich beklagt, dass die Mütter das Fenster nicht offen lassen, ist nah an der Textvorlage - der  Dialog der Eltern ist improvisiert; der Situations-Impuls lautete: "Was wäre, wenn die Eltern die Kinder rufen würden?" 

Konflikt: Vordergründig geht es im Nimmerland um äußere Konflikte, um die Kämpfe zwischen den Piraten, Indianern und den Verlorenen Kindern. Letztlich liegt für uns dahinter aber ein innerer Konflikt: der Widerstreit zwischen den Imperativen der modernen Leistungsgesellschaft und der Sehnsucht nach der Freiheit der kindlichen Phantasie.

Aufbruch: Als Peter Pan mit Tinkerbell abends im Zimmer von Wendy, John und Michael auftaucht, ergeht an sie der Ruf des Abenteuers. Die drei Geschwister brechen aus ihrer normierten Alltagswelt in die fremde Welt der Phantasie auf.

Aufgaben: In der fremden Welt gilt es zahlreiche Kämpfe zu bestehen, vor allem gegen Hook und die Piraten. Aber dahinter steht immer der innere Konflikt zwischen den Leistungsdenken ihrer "Helikopter-Eltern" und dem Bedürfnis danach, wahrhaft Kind sein zu dürfen, im Hier und Jetzt zu leben, statt nur für die spätere, berufliche Zukunft zu funktionieren.

Held: Wendy, John und Michael sind "aktive" Heldinnen und Helden, die in das Nimmerland aufbrechen und dort mutig gegen Käpt'n Hook und seine Piraten kämpfen. Hinter den Zielen (want), diese in diesen Kämpfen erreichen wollen, (wie Tiger-Lily zu befreien und Hook zu besiegen), steht das tieferliegende Bedürfnis  (need) nach der Freiheit, Kind zu sein.

Gegner: Der hauptsächliche Gegenspieler im Nimmerland ist Käpt'n Hook, im realen Leben sind es ihre Eltern, die den Kindern ihr unbeschwertes Kindsein rauben. Als Gestaltwandlerin tritt Tinkerbell auf, die einerseits auf der Seite von Peter Pan steht, aber anderseits aufgrund ihrer Eifersucht auch bereit ist, Wendy zu schaden. 

Helfer: Im Nimmerland finden Wendy und ihre Brüder die Verlorenen Kinder als ihre neuen Verbündeten im Kampf gegen die Piraten. 

Herold: Peter Pan ist der Herold, der Wendy, John und Michael den Ruf des Abenteuers überbringt, als er sie auffordert, mit ihm zurück ins Nimmerland zu fliegen.

Setting: Wendy, John und Michael brechen aus ihrer gewohnten Alltagswelt (Raum 1) aus und fliegen mit Peter Pan ins Nimmerland (Raum 2). Die beiden Räume sind durch den Himmels als Schwelle getrennt. Sie stehen in vielfacher Hinsicht in Opposition: real - fantastisch, außen - innen, unten - oben, normiert - frei.

Status: Zu Beginn der Szene ist Robin im Tiefstatus. Durch die Gründung der Bande kann sie gemeinsam mit den anderen ihren Status heben. Diesen Hochstatus hält sie in den folgenden Diebstahlaktionen aufrecht. Die reichen Damen dagegen verlieren ihren anfänglichen Hochstatus und geraten in Tiefstatus. Auch innerhalb der Gruppe gibt es Statuskonflikte, z.B. bei der Diskussion, ob Gewalt erlaubt ist.

Bewohner: Im Nimmerland leben die Piraten, die Indianer, die Verlorenen Kinder - sie sind alle Ausdruck kindlicher Phantasiewelten.

Werte: Die Werte, die in der Alltagswelt und im Nimmerland gelten, stehen einander gegenüber:  Leistungsorientierung gegen spielerischer Freiheit, Zukunftsorientierung gegenüber dem Erleben des Hier und Jetzt, usw.

Rollen: Die Rollen lassen sich überwiegend nach Gruppen zusammenfassen, z.B. die Piraten. Aber auch innerhalb dieser Gruppe gibt es Spielraum für individuelle Figuren (z.B. Smee) mit ihrem jeweiligen Profil, die zum Teil auch schon beim Besentanz erkennbar werden. Diese in der Vorlage vorkommenden Gruppen eignen sich besonders zur Entwicklung von chorischen Inszenierungsformen. 

Wir freuen uns über eine Rückmeldung.

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