September 1847. Nach mehreren Hungerjahren ist die soziale Lage in Offenburg angespannt. Als ein bettelndes Kind auf dem Wochenmarkt verhaftet wird, beginnt sich die revolutionäre Energie der jungen Generation endlich Bahn zu brechen: Die Studenten Karl Heinrich Schaible, Franz Volk und Emmerich Barth arbeiten durch verbotene Flugblattaktionen auf die kommende Revolution hin, die radikale badische Opposition gibt sich im Salmen ihr erstes politisches Grundsatzprogramm und selbstbewusste junge Frauen gründen einen demokratischen Frauenverein…

Die Eigenproduktion „Vision Freiheit“ lässt die turbulente Zeit, in der Offenburg plötzlich im Zentrum der entstehenden deutschen Demokratiebewegung stand, wieder lebendig werden.

Diese Szene zeigt, wie die Revolutionäre und ihre Familien nach dem Scheitern der Revolution 1848/49 unter der preußischen Herrschaft leiden mussten. 

Ein Gemeinschaftsprojekt des Theater am Grimmels und der Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen Offenburg

Musikkomposition: Gerhard Möhringer-Gross 

Infos zu den Mitwirkenden im Programmheft

Der Theaterbaukasten

Hier finden sich Erläuterungen, wie die Bausteine des Theaterbaukastens in der Szene zur Anwendung kommen (ohne dass an dieser Stelle näher auf die Entwicklung der Szene eingegangen werden kann):

Die Szene ist in einer Dreiecksformation aufgebaut: Links vorne (Position 1) nimmt Franz Volk, der als Revoutionär vor den nahenden preußischen Truppen fliehen muss, Abschied von seiner Verlobten Fanny; rechts vorne (Position 3) singt eine Mutter ihren beiden Töchtern das Badische Wiegenlied; hinten in der Mitte (Position 8) steht auf erhöhter Position (Höhe 4) der preußische General.

Freeze: Wenn die Schauspieler/innen auf einer der drei Positionen spielen, gehen die Spieler/innen auf den beiden anderen Positionen ins Freeze. Damit wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer/innen klar gelenkt.

 

Ausdruck: Der emotionale Ausdruck des Generals ist stark reduziert, um seine Gefühlskälte zu verdeutlichen. Die anderen Darsteller/innen spielen mit einem gefassten, aber dennoch intensiven Ausdruck.

Geste: Die Spieler/innen setzen Gesten bewusst und reduziert ein, so dass die wenigen expressiven Gesten eine starke Bedeutung gewinnen, z.B. wenn die Mutter ihren Töchtern beschützend die Arme auf die Schultern legt oder Franz und Fanny sich umarmen. Der General macht, entsprechend seiner emotionalen Kälte, keine Gesten.

Die W-Fragen bieten sich in dieser Szene in besonderer Weise an, um den Spieler/innen zu helfen, sich in die Situation einzufühlen: 

Wo befinde ich mich? Fanny befindet sich an einem Ort, wo sie sich mit ihrem Verlobten Franz verabredet hat; die beiden Töchter sind mit ihrer Mutter zuhause im Bett.

Was mache ich dort? Fanny wartet auf ihren Verlobten Franz, sie ahnt, dass die endgültige Trennung bevorsteht; die Mutter will die Töchter zum Einschlafen bringen, aber alle drei sind in tiefer Sorge und Unruhe, weil der Vater auf der Flucht ist und ihnen damit eine ungewisse Zukunft bevorsteht.

Was ist vorher geschehen? Franz Volk und der Vater der beiden Mädchen haben sich in der Revolution engagiert; die Revolution ist gescheitert und die übermächtigen Truppen der Preußen nahen. Die beiden Männer müssen fliehen.

Status: Der General ist in dieser Szene, verdeutlicht durch seine erhöhte Postion, im Hochstatus, alle anderen Figuren im Tiefstatus.

Wiederholung/Variation: Die Geschehnisse auf der Bühne vorne links und rechts spiegeln sich gegenseitig durch die Grundsituation der Flucht, sind aber in ihrer individuellen Besonderheit zugleich deutlich unterschieden.

Kontrast: Ein starker szenischer Kontrast entsteht zwischen Fanny und Franz bzw. der Familie auf der einen Seite und der Rede des Generals auf der anderen Seite. 

Erzählen: Ein episches Element stellt das "Badische Wiegenlied" dar, das die Szene kommentiert und den nicht ausgesprochenen Subtext zum Ausdruck bringt.

Subtext: Das Gespräch zwischen den Kindern und ihrer Mutter gewinnt eine besondere Eindringlichkeit durch die nicht ausgesprochenen Ängste und Sorgen. Das Lied gibt der Mutter die Möglichkeit, ihren Emotionen einen authentischen Ausdruck zu geben, ohne die Bedrohlichkeit der eigenen Situation unmittelbar aussprechen zu müssen.

Bühnenbild: Zur Symbolik und Funktion des Bühnenbilds vgl. den Beitrag Freiheit Heute/Früher

Sound: Das live gesungene "Badische Wiegenlied" arbeitet den emotionalen Subtext der Szene heraus.

Licht: Ein reduzierter Grundlicht lässt alle Schauspieler/innen während der gesamten Szene sichtbar werden. Aber der szenische Schwerpunkt wird jeweils durch ein stärkeres Spotlicht (mit unscharfem Rand) verdeutlicht, so dass die Lichtgestaltung dazu beiträgt, den Fokus der Zuschauer/innen zu lenken. Das farbige Hintergrundlicht schafft durch die kalten Farben türkis und blau eine der Situation entsprechende emotionale Atmosphäre.

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